Ehem. Kath. Volks- und
Berufsschule in Viersen

Denkmalbeschreibung:
Geschichte
Nachdem in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland die
allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde und es gegen Ende des
Jahrhunderts immer noch an geeigneten stadteigenen Unterrichtsgebäuden
zur Aufnahme aller Schüler der Elementar-Schulen fehlte, kam es 1902
zum Neubau der Schule in der Gereonstraße.
Hier sollten zunächst die beiden fünften Klassen der vorhandenen Schüler
aus dem südlichen Stadtteil Viersens untergebracht werden, da diese zur
damaligen Zeit in angemieteten Räumen untergebracht waren. Mit
Schreiben vom 15. Juli 1902 bezweifelte die Verwaltungsbehörde der königlichen
Regierung die ausreichende Effektivität dieser Maßnahme und
veranlasste durch den Landrat - Herrn von Bönninghausen - die
Gemeindevertretung und den Schulvorstand über eine Vermehrung der
Klassen und der Lehrkräfte zugunsten der Klassenstärken zu beraten und
ggf. zu beschließen. Der Schulvorstand beschloss daraufhin in seiner
Sitzung am 28. Juli 1902 unter Abzweigung einzelner Straßen der
verschiedenen Schulbezirke, einen neuen katholischen Schulbezirk zu
bilden, dessen Kinder die neuerbaute Volksschule an der Gereonstraße
besuchen sollten.
Das Gebäude an der Gereonstraße wurde deshalb
von Beginn an als 4-klassige Volksschule genutzt. Hierzu wurden 2 Lehrer
der ehemaligen Schulbezirke und 2 Lehrer neu angestellt.
1928 wollte die aus den Fortbildungsschulen neu
entstandene Berufsschule - Viersen - das Gebäude, das durch den Neubau
der Schule im Hamm frei werden musste, beziehen, da die Raumfrage in dem
kleinen Schulgebäude an der Friedensstraße, in dem sie untergebracht
war, immer enger wurde. Durch die schlechte Wirtschaftslage der Stadt
verzögerte sich aber die Fertigstellung und es wurde Ostern 1930, bis
der Umzug bewerkstelligt werden konnte.
Bis 1935 wurden aufgrund der per Ortsstatut
erlassenen Berufsschulpflicht immer mehr Berufszweige in die
Berufsschulen integriert. Dies ließ sich aber räumlich kaum
verkraften, trotz Unterricht von morgens 7.00 Uhr bis abends 22.00 Uhr
und sonntags vormittags. Der damalige Leiter der Berufsschule, Herr GOL
Tipkötter, drängte.
Der am 29. Dezember 1936 gestellte Antrag zum
Bau der Erweiterung des Berufsschulgebäudes wurde 1937 genehmigt und
mit dem Bau wurde begonnen. Außerdem wurde 1937 ein
Berufsschulzweckverband der Viersener mit den Berufsschulen in Süchteln
und Dülken gegründet, der bis zu kommunalen Neugliederung im Januar
1970 bestand. Seit 1970 liegt die Schulträgerschaft beim Kreis Viersen,
der die Schule seit einigen Jahre als Kreismusikschule nutzt.
Beschreibung
Der 2-geschossige T-förmige Winkelbau mit Souterrain und Walmdach ist
in rotem Backstein- und Ziegelmauerwerk ausgeführt. Der von der
Gereonstraße aus gesehene linke Trakt zählt einschließlich des
Eingangs zum Ursprungsbau, dessen Hauptfassade ist vertikal durch die
Eckbetonungen und den Eingangsrisaliten, horizontal durch umlaufende,
sandsteinfarbene, zum Teil als Fries ausgebildete Kunststeine
gegliedert.
Die beiden rechten Fensterachsen beinhalten im
Erdgeschoss den offenen, zweitürigen mit einer Treppe versehenen
Haupteingang des Gebäudes und sind als Risalit ausgebildet, der eine
polygonale Eckbetonung mit Türmchen erhielt und mit einem reich
ornamentierten und ehemals bekröntem Giebel seinen Abschluss findet.
Alle Tür- und Fensteröffnungen im Erd- und Obergeschoss der Fassade
sind mit Formziegeln umrahmt, die nach oben als Segmentbogen mit
Schluss- und Anfangsstein aus dem o.g. Kunststein ausgebildet sind. Die
Dachtraufe ist als Zahnfries gestaltet. Das Dach selbst hatte ursprünglich
2 schmuckbegiebelte Gauben, die bei dem u. g. Erweiterungsbau durch eine
bis zu diesem Bau durchgehende Gaube ersetzt worden sind.
Das eingeschossige Nebengebäude mit
Mansarddach an der linken Seitenfassade gliedert sich zur Straße hin
vertikal durch einen Mittelrisaliten mit Rundbogenfenster in der oben
beschriebenen Art und einer Eckbetonung als Lisene, horizontal durch die
o.g. Kunststeinbänder, die von der Hauptfassade durchlaufen.
Die linke Fassade hat eine vertikale Betonung,
deren Mittelpunkt 3 Lisenen bilden, die über die Traufe hinaus in den
Dachabschluss einer Gaube münden.
Das o.g. Nebengebäude hat an seiner linken
Fassadenseite eine Eckbetonung durch zwei Türen, die als Risalit
ausgebildet sind und die horizontal verlaufenden Kunststeinbänder übernimmt.
Die rückwärtige Fassade stellt vom Prinzip
her das Spiegelbild der Hauptfassade dar mit zwei Ausnahmen:
1. Der Eingangsrisalit, hinter dem sich das
Treppenhaus mit einer 3-zügigen Treppe verbirgt, hat eine
Mittelbetonung durch eine Fensterachse mit großen Öffnungen über 3
Geschosse, die durch die Treppenabsätze an dieser Seite entstanden
sind, sowie rechts und links daneben jeweils eine Fensterachse mit
kleinen Öffnungen. Den abschließenden Giebel ziert das ehemalige
Stadtwappen von Viersen.
2. Die Öffnung des Mittelrisaliten am Anbau
der linken Fassade ist zugemauert und rechts und links des Risaliten
stehen zwei Fensteröffnungen.
Der übrige Gebäudeteil ist eine Erweiterung
aus dem Jahre 1937 in modernem Stil, die den Ursprungsbau abrundet und
die Kubatur des Hauptgebäudes symmetrisch ergänzt. Dazu gehört auch
das rückwärtige Nebengebäude, das jedoch nur eingeschossig errichtet
worden ist.
Die Fassaden gliedern sich durch Fensterachsen
und Fensterbänder, die die ursprünglichen Fensterproportionen
aufnehmen, aber keine Bögen mehr aufweisen. Die Fenster- und Türöffnungen
sind mit einem dunkelgrauen Steinrahmen eingefasst. Das Dach hat im
2-geschossigen wie auch zur Schulhofseite des eingeschossigen Gebäudeteiles
durchgehende Dachgauben mit Flachdächern erhalten.
Im Inneren des Gebäudes befindet sich hinter
dem Eingang an der Hauptfassade und dem darauffolgenden Windfang der
Flur und das Treppenhaus innerhalb des älteren Teiles des Gesamtgebäudes.
Das Treppenhaus besteht aus einer 3-zügigen zur Gereonstraße
gerichteten Freitreppe mit schmiedeeisernem Geländer. Die Wände sind
wie auch im Flur bis zu einer Höhe von ca. 1,50 m mit beigefarbenen
Kacheln verkleidet.
Die Schule ist in ihren Teilen und mit ihrer
gut erhaltenen Fassade und Grundrissaufteilung Zeuge nicht nur für die
Architekturrichtung der Zeit, in der sie entstand, sondern auch durch
den bis heute aufrecht erhaltenen Schulbetrieb für die
kulturgeschichtliche Entwicklung.
Aus wissenschaftlichen, insbesondere
architekturgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen und
ortsgeschichtlichen Gründen stehen Erhaltung und Nutzung des Gebäudes
gemäß § 2 (1) des Denkmalschutzgesetzes im öffentlichen Interesse.