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Standort:
Heimbachstraße 12, D 41747 Viersen
GPS:
51o 15'
12,5"
N 06o
23' 26,5"
O
Zuständigkeit:
Privat
Baujahr:
1910
/ 1911
Tag der Eintragung als Denkmal 23.
Februar 2000
Quellenhinweis:
Beschreibung der Denkmalbehörde
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Villa Heine in Viersen

Denkmalbeschreibung:
Das Haus Heimbachstraße 12 in Viersen wurde
1910/11 nach Plänen des Architekten Robert Neuhaus als Wohnhaus für
den Fabrikanten Ernst Heine errichtet.
Bemerkenswert ist zunächst die sehr zentrale
Lage des Gebäudes, in einer Seitenstraße der Hauptstraße, mit seinem
Grundstück direkt an die Festhalle und an den davor befindlichen Platz
grenzend. Damit befindet es sich auffällig in der Tradition der älteren
Unternehmerwohnhäuser in Viersen (Mitte / 2. Hälfte 19. Jahrhundert),
was aber zur Zeit seiner Errichtung anderswo eher ungewöhnlich ist, da
man ein Gebäude dieses Anspruchs jetzt eher in einer Vorstadt oder
einem entsprechenden Viertel lokalisieren würde.
Als somit bewusst städtische Villa steht das
Haus unmittelbar an der Straße. Zu seiner rechten Seite und nach hinten
erstreckt sich ein großer Garten, der in den erhaltenen
Entwurfszeichnungen durchgestaltet war und u.a. auch einen
Gartenpavillon umfasste. Der Pavillon ist heute zu einem (zum Platz geöffneten)
Kiosk umgebaut und zum Zeitpunkt der Erfassung bereits ebenso wie ein
Teil des Gartens für die Erweiterung der Festhalle überplant.
Die Straßenfassade gliedert sich in ein hohes,
einem Erdgeschoss gleichen Sockelgeschoss mit Natursteinverkleidung
(z.T. mit bossierten Quadern), zwei verputzte Obergeschosse und ein
gaubenbesetztes Mansarddach. Der Hauseingang ist aus der Mitte nach
rechts verschoben angeordnet. Die rechte Achse der Fassade ist als
Treppenhaus ausgewiesen, da die beiden Fenster hier zwischen den
vorgegebenen Geschossebenen liegen. So reicht das rundbogige untere der
beiden über die obere Linie der Natursteinverkleidung heraus (und wird
von einem Rundbogen aus diesem Naturstein überfangen), das rechteckige
obere wird von einem liegenden Ovalfenster und einer Verdachung bekrönt,
die aus einem geschweiften Giebel mit Kämpferplatten auf flachen
Konsolen besteht und sich bis auf halbe Höhe des Fensters als
angedeutete eingetiefte Rahmung fortsetzt.
Die Sohlbänke der jeweils vier Fenster der
beiden Obergeschosse sind gesimsartig miteinander verbunden. Durch die
ehemals vorhandenen Fensterläden kam hier, wenn diese geöffnet waren,
eine absichtsvoll proportionierte rhythmische Reihe aus gesprossten
Fenstern und Läden zustande, wohingegen die Fassade ohne Fensterläden
heute etwas kahl wirkt. Von wenigen Ausnahmen (in der Mansarde)
abgesehen sind alte gesprosste Holzfenster Fenster erhalten.
Während die von der Heimbachstraße aus linke
Seite des Hauses als Brandwand (unverputzter Backstein) ausgebildet ist,
sind die nach rechts und nach hinten zum Garten gerichteten Fassaden
ebenfalls als glatte Putzwände gestaltet. Auffallend sind die flache
Ausbuchtung der rechten Seite, in der Art eines dreiseitig gebrochenen
Erkers über alle drei Geschosse hinweg, und der doppelgeschossige Altan
an der Rückseite, der beiden Obergeschossen einen Austritt und dem
Erdgeschoss einen überdachten laubenartigen Sitzplatz im Freien bietet
(seitlich rund-, nach hinten korbbogig geöffnet). Ein stehendes
Ovalfenster mit wohl noch originalem Gitter markiert die
dahinterliegende Dienstbotentreppe.
Man betritt das Haus durch eine breite hölzerne
Eingangstür mit Glaseinsatz. Entsprechend dem typischen gehobenen
Wohnstil der Zeit war das Sockelgeschoss den untergeordneten Funktionsräumen
für das Personal vorbehalten: Küche mit Küchenzimmer und Anrichte,
Dienstbotentoilette, Garderobe; dazu im Entwurfsplan ein
"Kinderzimmer" (!), "Heizung und Coaks" sowie ein
"Geräteraum" unter dem Treppenaufgang.
Die räumliche Anordnung ist im wesentlichen
noch unverändert abzulesen. Der Eingangsflur ist durch zwei gedrückte
Rundbogen von Garderobe (links) und Treppe (rechts) abgesetzt. Zur
holzvertäfelten Garderobe ist der Bogen mit Raumteilern aus Holz gefüllt.
Im unteren Bereich ist er geschlossen, im oberen besitzt er die gleichen
regelmäßig gedrechselten Stäbe wie die Treppe, die sich rechts des
Eingangs befindet. Etwas unsicher muss bleiben, ob die hohe kasettierte
Wandverkleidung der Garderobe ursprünglich ist, da sie zwar einerseits
derjenigen der Beletage darüber entspricht, die in sie integrierten
Toilettenzugänge aber so nicht im Entwurfsplan vorgesehen sind
(vermutlich gab es hier eine Planänderung). Ihre sehr dunkle Holzfarbe
stimmt ferner mit dem gesamten Raumeindruck überein, den die
gleichfarbige Treppe und die Holzverkleidungen der Beletage herstellen
und der dem Zeitgeschmack noblen Wohnstils der Bauzeit entstammt. Die
hinter der Eingangshalle liegenden Räume des Personals sind durch ein
"Portal" mit geschrägter Laibung, besetzt mit stehenden
Rauten mit Muschelmotiv und einem eierstabartigen Fries, zu erreichen
(die Tür erneuert). Sie sind erkennbar schlicht ausgeführt. Erhalten
sind vor allem die Küche, von der aus unter dem Altan der Garten
betreten werden kann (die Tür mit Oberlicht beidseits begleitet von
Fenstern), und das kleine Zwischenzimmer der Anrichte mit der
Dienstbotentreppe (deren Zugang zum Obergeschoss allerdings heute
geschlossen ist). Auch der große, im Entwurf als
"Kinderzimmer" bezeichnete Raum besitzt einen Zugang in den
Garten und eine Reihe Wandschränke.
Rechts des Eingangs befindet sich ein über
zwei Stufen zu erreichendes Podest und von ihm ausgehend die breite
originale Holztreppe (gerade gegenläufig mit Wendepodest) zu den
Obergeschossen. Ihr Anlaufpfosten setzt sich zusammen aus einem
einfachen dünnen Stab, der von den eierstabartig regelmäßig
gedrechselten Stäben des Geländers umstanden ist. Diese Gestaltung
unterscheidet sich durchaus von den meist sehr viel aufwendiger,
konkreter ornamentierten Formen des Historismus oder noch des
Jugendstils. Vom Anfangspodest aus ist durch eine rundbogige Tür der
Geräteraum unter der Treppe zu betreten.
Das erste Obergeschoss (in den Entwurfsplänen
als "Erdgeschoss" bezeichnet!) war und ist die Beletage des
Hauses. Seine vier großen Räume besitzen alle noch in Einzelform und
Umfang unterschiedliche, stilistisch aber gleichartige wandfeste
Ausstattung und Fußboden- bzw. Deckengestaltung. Sie werden erschlossen
durch einen quergelagerten Mittelflur, der in der Seitenfassade zum
Garten in dem dreiseitigen Erker ausläuft und von dort sein Tageslicht
erhält. Gegenüber der Treppe befindet sich das ehemalige
"Herrenzimmer" mit der aufwendigsten Wandverkleidung: Wandschränke
bzw. mit Glasfenstern geschlossene Bücherregale (mit kleinen Rundstäben
vor den Scheiben), hölzerne Wandverkleidung, ab halber Höhe und über
den Regalen mit Putz- / Tapetenfeldern, Heizkörperverkleidungen (an der
gartenseitigen Wand, mit gedrechselten Stäben wie an der Treppe) mit
Fenstern darüber und einer doppelflügeligen Tür zum Austritt davor.
Alle diese Elemente sind in vornehm dunklem Holz gehalten. Die
stuckierte Decke zeigt in der Mitte ein eingetieftes geschweiftes
Schmuckfeld, dessen Profile von einem Zahnschnittband bzw. einem
Eierstabfries begleitet werden. Den Austritt zieren auf der Brüstung
aufstehende kleine Säulchen.Der kleine Raum daneben (heute Teeküche)
ist die ehemalige Anrichte, zu der ursprünglich eine Treppe aus dem
Sockelgeschoss hochführte (s.o.). Gegenüber, neben der Treppe, befand
sich ein "Salon", der noch seine Stuckdecke mit rundem Spiegel
besitzt. Die beiden Zimmer an der Stirnwand schließlich sind im Entwurf
als Wohn- und Esszimmer ausgewiesen. Sie sind miteinander durch einen
großen hölzernen Schiebetüreinbau verbunden. Das (linke) Wohnzimmer
ist bis halbe Höhe holzvertäfelt und hat eine Stuckdecke mit
umlaufenden Rundstabfries an der Kehle. Im Esszimmer fehlen die
Wandverkleidungen, die Decke zeigt einen kleinen Deutsches-Band-Fries.
Im Wohnzimmer beherrscht unmittelbar vor der Schiebetür ein breiter
gedrückter Gurtbogen den Raumeindruck, dessen Ursprung und Motivation
noch unklar sind. An der Außenwand schließt er an den dort
befindlichen Kaminzug an. Die Wandverkleidungen und -einbauten aus
dunklem Holz, dementsprechende Türen und Türrahmen, stuckierte Decken,
Parkettboden und die typische Raumaufteilung definieren somit ein
weitgehend ursprünglich und anschaulich erhaltenes Zeugnis einer
typischen Beletage gehobenen Anspruchs.
Auf dem Wendepodest der Treppe zwischen erstem
und zweitem Obergeschoss befindet sich in typischer Lage eine Toilette.
Die Räume des zweiten Obergeschosses, im Grundriss gleich denen
darunter angeordnet, waren als Schlaf- und Wohnzimmer vorgesehen;
zwischen dem "Wohnzimmer" mit Austritt und den Schlafzimmern
befand sich das Bad. Flur und Räume sind deutlich schlicht ausgeführt,
mit einem einfachen Dielenboden und schlicht weißen Türen und Gewänden.
In den Räumen sind zahlreiche einfache Wandschränke hervorzuheben.
Zwischen diesem und dem als Personalwohnung ("Mägdezimmer")
teilausgebauten Dachgeschoss ist die Treppe dann auch weiß gestrichen
statt dunkelbraun.
Bauherr und Architekt
Der Bauherr, Ernst August Heine, 7.8.1858-17.10.1943, war zusammen mit
seinem Bruder Georg (1856-1921) 1887 Gründer und bis zu seinem Tode
Gesellschafter der Firma Gebr. Heine Zentrifugen. In der Geschäftsleitung
verblieb er bis 1929/30 (vgl. StaVie, Sml. Heine, Nr. 251).
"Die 1887 von den Brüdern Georg und Ernst
Heine gegründete Firma Gebr. Heine, Zentrifugenfabrik, war ein altes
Viersener Unternehmen. Die Firma ging aus der von dem Vater Carl
Friedrich Heine 1847 gegründeten Schmiede hervor, die in der Sektion
Rintgen, Am Krapohl lag. Die ersten Produkte waren Webstühle und Färbereimaschinen.
Noch im Gründungsjahr wurde mit der Herstellung von Zentrifugen, dem späteren
Hauptprodukt, begonnen.
Die Firma war stark exportorientiert. Schon vor
dem Ersten Weltkrieg gingen Lieferungen in das europäische (...) und
das außereuropäische Ausland (...). Das mittelständische Unternehmen
beschäftigte 1929 285 Mitarbeiter, 1981 nur noch 60 Mitarbeiter. Die
als Personengesellschaft gegründete Firma nahm 1966 die Rechtsform
einer GmbH & Co KG an. Sinkende Umsätze führten 1981 zur Übernahme
durch die LUWA-SMS Butzbach, einer Tochter der LUWA AG, Zürich. Die
Produktion wurde nach Butzbach, Hessen verlegt. Die Liegenschaft erwarb
vor allem die Firma Trienekens. (...) Im Juni 1984 wurde die Heine
Zentrifugen GmbH aus dem Handelsregister gelöscht." (Quelle:
StaVie, Findbuch Sml. Heine, Einleitung). Anlässlich des 50jährigen
Firmenjubiläums 1937 bezeichnete sich die Firma selbst als "größte
Zentrifugenfabrik Europas" (vgl. Festschrift "Arbeit,
Vertrauen, Erfolg. Heine Zentrífugen seit 1887" in StaVie, Sml.
Heine, Nr. 83).
Ein L. Hansen war ein Schwiegersohn von Carl
Friedrich Heine, d.h. Schwager der Gebr. Heine. Er errichtete die
Fabrikgebäude der 1890er Jahre und später. Das Verwaltungsgebäude
Ringstraße / Greefsallee entstand 1914 nach Plänen von Robert Neuhaus
(von ihm dort ebenfalls ein Garagengebäude 1921/25 und ein Sozialgebäude
"Arbeiterwohlfahrtshaus" 1927-29).
Der Architekt Robert Neuhaus zog 1894/95 von Köln
nach Rheydt, nachdem ihm (zusammen mit Carl Schauppmeyer) dort im
Wettbewerb für den Rathausneubau zunächst der dritte Preis und dann
die Ausführung zugesprochen worden waren. 1895/96 entstand das Rheydter
Rathaus nach seinen Plänen in neogotischem Stil, ebenso wie um 1900 die
Häuser Bismarckstraße 97 und 99 in Mönchengladbach. In der Folgezeit
entwickelte sich Neuhaus zu einem bedeutenden Villenarchitekten in
Rheydt und Mönchengladbach. Hervorzuheben ist die überaus stattliche
Villa Hecht, Mozartstraße 19 in Mönchengladbach, 1914-16 in
neubarockem Stil (mit August Stief). Ein weiteres monumentales Rathaus,
ebenfalls neogotisch, wurde nach seinem Entwurf 1902 in Hamborn
errichtet.
Das Gesamtwerk von Neuhaus (Nachlass im
Stadtarchiv Mönchengladbach) ist erst in Ansätzen gesichtet. Die
Prominenz der ihm übertragenen Bauaufgaben weist ihn als einen regional
überaus gefragten und bedeutenden Architekten aus. Stilistisch spiegelt
sich in seinen bekannten Bauten der wechselnde Geschmack der Jahrzehnte
und wohl auch seiner Bauherren wider. Neben ausgesprochen neogotischen
und neobarocken Entwürfen stehen dabei eher neusachliche,
bieder-meierliche Beispiele, zu denen neben den Villen Parkstraße 71
(stark verändert) und Zoppenbroich 65 in Mönchengladbach auch die
Villa Heine in Viersen zu zählen ist.
Denkmalwert
Das Gebäude Heimbachstraße 12 ist bedeutend für die Geschichte des
Menschen als gut erhaltenes Zeugnis gehobener bürgerlicher Wohnkultur
in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Als Wohnhaus des Mitbegründers
und langjährigen Geschäftsführers eines großen Viersener
Unternehmens in für die Stadt typischer Innenstadtlage ist es zudem
bedeutend für Viersen. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht ein öffentliches
Interesse aus wissenschaftlichen, hier architekturgeschichtlichen Gründen,
da es sich um ein gut erhaltenes Zeugnis einer Stadtvilla vom Anfang des
20. Jahrhunderts handelt. Stilgeschichtlich steht das Gebäude für eine
von Historismus und Jugendstil abgesetzte neusachliche Richtung vor
allem im Villenbau, die ihre Formen aus einem purifiziert aufgefassten
Neobarock mit biedermeierlich-klassizistischen Elementen bezog. Als
Entwurf von Robert Neuhaus ist das Haus darüber hinaus das Werk eines
bedeutenden Architekten und deshalb ebenfalls von
architekturgeschichtlichem Interesse. Aus sozialgeschichtlichen Gründen
erhaltenswert ist ferner vor allem die innere Raumaufteilung mit ihrer
Scheidung von Personalräumen im Sockel- und Dachgeschoss einerseits und
herrschaftlichen Zimmern in den Obergeschossen, vor allem in der
Beletage andererseits. An der Erhaltung und Nutzung besteht ferner ein
ortsgeschichtlich begründetes öffentliches Interesse, da es sich um
das Wohnhaus eines bedeutenden Viersener Unternehmers handelt, dessen
Firma in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt beinah ein Jahrhundert lang
eine wichtige Rolle spielte. Das vom selben Architekten geplante
ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Gebr. Heine an der Ringstraße
bildet inhaltlich ein Pendant, das den ortsgeschichtlichen Zeugniswert
zusätzlich unterstützt. Schließlich liegt die Erhaltung und Nutzung
der Villa Heine auch städtebaulich im öffentlichen Interesse, da es
zum einen die im Stadtbauplan von 1860 definierte gerade Fluchtlinie der
Heimbachstraße straßenraumprägend umsetzt und zum anderen zusammen
mit der Festhalle einen von qualitätvoller historischer Bausubstanz
geprägten Ort in der Innenstadt Viersens ausbildet.
Die Villa Heine, Heimbachstraße 12, ist
bedeutend für die Geschichte des Menschen und Viersens. An ihrer
Erhaltung und Nutzung besteht aus wissenschaftichen, hier architektur-,
sozial- und ortsgeschichtlichen sowie städtebaulichen Gründen ein öffentliches
Interesse. Sie ist daher gemäß § 2 (1) des Denkmalschutzgesetzes NW
ein Baudenkmal.
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