Wohn- und
Geschäftshaus in Viersen

Denkmalbeschreibung:
Geschichte
Sehr wahrscheinlich stand an der Stelle des heutigen Wohn- und Geschäftshauses
bereits ein Vorgängerbau. In der Bauakte ist ein Baugesuch von
Friedrich Schmitz aus dem Jahr 1873 überliefert. Die nächsten
erhaltenen Pläne betreffen den Anbau eines rückwärtigen Flügels an
ein nur im Grundriss dargestelltes Vordergebäude, das im Gegensatz zu
dem 1873 projektierten bereits die heutige Eingangs- und
Grundrisssituation im Erdgeschoss aufweist. Die heute vorhandene Fassade
besitzt mit seinem mezzaninartigen dritten Obergeschoss einerseits zwar
ein auch in die 1870er Jahre passendes Element, ihre Detailgestaltung
entspricht aber eher dem Zeitstil der 1890er Jahre. So kann vermutet
werden, dass das Haus vor 1894 entweder neu oder durch einen Umbau des
1873 Gebauten entstanden ist.
Beschreibung
Das beidseitig eingebaute, nach vorne viergeschossige traufständige
Haus erstreckt sich vier Achsen breit entlang der Gladbacher Straße,
ist aber aufgrund der Straßenaufweitung zum Neumarkt hin von darüber
hinausgehender Raumwirkung. Es schließt sich direkt links an das Eckgebäude
Gladbacher Straße 1, ehemals Viersener Hof, an, mit dem es im Inneren
des Erdgeschosses heute verbunden ist. Die ursprüngliche Aufteilung in
einen Geschäftsbereich unten und eine Wohnnutzung in den
Obergeschossen, die auch an der Fassade ablesbar ist, ist aber erhalten.
Im über Sockel durch kräftigen Bänderputz
gestalteten Erdgeschoss wechseln Eingänge und (modernisierte)
Ladenfenster miteinander ab. Der Eingang in der linken Achse, mit alter
zweiflügliger Holztür, führt in einen Flur und zum rückwärtig
gelegenen Treppenhaus, das die Wohngeschosse erschließt. Die Öffnungen
sind hier wie im ersten und zweiten Obergeschoss segmentbogig
geschlossen.
Die Wohngeschosse werden durch ungewöhnlich
große Fenster charakterisiert, deren profilierte Gewände im Sturz von
Keilsteinen betont werden. Ihre Binnengliederung als vierteilige
Kreuzstockfenster entspricht ausweislich historischer Fotos dem ursprünglichen
Zustand.
Das erste Obergeschoss besitzt einen feinen Bänderputz,
die beiden Geschosse darüber sind glatt verputzt. Die Achse über dem
Ladeneingang, flach risalitartig vorgezogen, wird in beiden Geschossen
von breiten, im 2. Obergeschoss zusätzlich kannelierten Pilastern
gerahmt. Ihre Schäfte und Kapitelle sind renaissanceartig gestaltet. Während
die Fenster des 1. Obergeschosses direkt auf dem breiten Geschossgesims
aufsitzen, ist unter denen des zweiten Obergeschosses ein Brüstungsfeld
ausgebildet, in der Hauptachse mit kleinen Brüstungskandelabern, die
anderen flächig abgesetzt.
Das dritte Obergeschoss ist in der Art eines
Mezzanin niedriger und mit kleineren Doppelfenstern ausgebildet. Die
Hauptachse wird hier von Hermenpilastern gerahmt, die Mittelstütze der
Doppelfenster ist mit schlanken Reliefbalustern besetzt. Feine Friese
mit Vierpassformen fungieren als Stürze. Ebenso detailliert gezeichnet
ist das Traufgesims mit Klötzchenfries zwischen Volutenkonsölchen. Über
der Hauptachse durchbricht ein von einer Kartusche gesprengter
Segmentgiebel die Traufe. Das flach geneigte Dach ist von der Straße
aus kaum wahrzunehmen.
Denkmalwert
Da das Innere des Hauses bis auf die alte Holztreppe durchgreifend
modernisiert und im Erdgeschoss auch mit dem Nachbargebäude Gladbacher
Straße 1 durchgebaut ist, beschränkt sich der historische Zeugniswert
auf die straßensichtige Fassade einschließlich Dachfläche.
Die Häuser Gladbacher Straße 1 und 3 bilden
zusammen mit dem Saalbau Heierstraße 2 eine Straßenecke mit einem
historischen Erscheinungsbild des Viersen der Jahrhundertwende, wie es
an der auf sie zulaufenden Hauptstraße so nicht mehr angeschaut werden
kann. Es handelt sich um ein anschaulich erhaltenes Wohn- und Geschäftshaus,
dessen repräsentative Viergeschossigkeit städtisches Gepräge besitzt
und einen wichtigen Blickpunkt in der Viersener Innenstadt bildet. Es
ist daher bedeutend für Viersen.
Seine aufwändige, historistische Baugestaltung
ist bis auf einige wenige Details weitgehend ursprünglich erhalten. In
der Großform z.B. Hierarchisierung der Geschosse und der Achsen sowie
im Detail (Neorenaissance-Schmuckformen) stellt es ein wichtiges Zeugnis
für das Bauwesen der Gründerzeit bzw. der Jahrhundertwende in der
Wachstumsphase Viersens und an städtebaulich repräsentativer Stelle
dar. An der Erhaltung der straßensichtigen Fassade und der zugehörigen
Dachfläche besteht daher aus städtebaulichen und wissenschaftlichen,
hier architekturgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Es
handelt sich daher gemäß § 2 (1) Denkmalschutzgesetz um ein
Baudenkmal